Beatboxing - mit "B-tz-pf-tz" die kreative Ausdrucksweise stärken




 Beatboxing ist neben DJing, MCing, B-Boying und Graffiti das fünfte Element des Hip-Hops. Die im DJing und MCing benötigte elektronische Beatbox war in den 80er Jahren sehr teuer und somit meist nicht erschwinglich für Jugendliche, vor allem jene aus sozial schwachen Familien. Das führte zur Entstehung der Human Beatbox. Aus der finanziellen Not heraus lernten Jugendliche die Beats mit dem Mund zu imitieren.

Heute ist der am meisten verbreitete Stil das New School Beatboxing, das zu einer Art One-Man-Show avanciert ist. Es ist mittlerweile möglich, dass eine Person drei bis vier Stimmen gleichzeitig erzeugt und so miteinander kombiniert, dass ein rhythmisch zusammenhängendes Gesamtwerk entsteht.

Beim Beatboxing wird der gesamte Mundraum beansprucht, um verschiedene Beats, Melodien und Geräusche zu erzeugen. Um Lautstärke und Sound zu variieren, werden eine oder beide Hände um Mund und Mikrofon gelegt (Close-Mic-Technik). Mund, Nase und Kehlkopf fungieren als eigentliche Instrumente.

Die Sprache des Beatboxing

Es geht in erster Linie darum, den Sound eines Schlagzeugs möglichst originalgetreu nachzuahmen, denn dies sollten auch die elektronischen Beatboxen der 1980er-Jahre zunächst leisten. Entsprechend dem klassischen Aufbau eines Schlagzeugs kann zwischen drei Grundbeats oder Sounds unterschieden werden, aus denen sich verschiedene Rhythmen beliebig kreieren lassen: die Kick Drum, die Snare Drum und die Hi-Hat. Weitere Grundtechniken sind das Scratching und das Humming.

Die größte Herausforderung ist es, ein stimmiges Gesamtwerk zu produzieren, d.h. den Rhythmus nicht zu verlieren und stets ein wiedererkennbares Muster beizubehalten. Alle musikalischen Elemente müssen dafür nur mit Hilfe eines Mikrofons selbst entstehen.

Beatboxing fordert beides - Stimme und Körper

Beatboxing fordert eine enorme Koordinierungsleistung. Der Körper verfällt dabei in rhythmische Bewegungen, die sich jedem Beatboxing-Pattern unterschiedlich anpassen. Dabei wird der ganze Körper als Taktgeber benutzt, um in den Flow zu gelangen. Wenn dieser Flow-State erreicht ist, gerät die Person in eine Art wache Trance, in der die Anstrengung nicht mehr wahrgenommen wird und alle Bewegungsabläufe fließend und leicht vonstattengehen. Um diesen Status zu erreichen benötigt man ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl. Daher ist Flow nicht zuletzt ein körperlich empfundenes Erlebnis, für das der Beat geradezu einverleibt werden muss, um immer wieder darin hineinfinden zu können.

Der Beatboxing Superstar

Ich habe bei der diesjährigen Ars Electronica Big Concert Night Harry Yeff AKA Reeps One kennengelernt. Er ist Künstler und Musiker mit Sitz in London. Yeffs Know-hows Beatboxing Performances haben zu einer weltweiten Online-Fangemeinde geführt, die über 100 Millionen Aufrufe und Anerkennung als Pionier des experimentellen Vokalismus erbracht hat.

Yeff produziert Arbeiten als Antwort auf eine fortlaufende Untersuchung der Entwicklung der menschlichen Stimme, Kunst und Wissenschaft. Er tritt international auf und stellt seine Arbeiten auch rund um den Globus aus, vom Museum für Kunst und Design in New York bis zur Tate Britain in London sowie den Designwochen in Mailand, London und Tokio, SXSW, Miami Art Basel und dem Sundance Film Festival. Yeff hat sich zu einem der fortschrittlichsten Querdenker in der Welt der Stimme und Technologie entwickelt.

Videolinkhttp://reeps100.com/world-economic-forum-betazone-feature/ und https://www.youtube.com/watch?v=1KMIwHfDCxo

LYMA bietet Beatboxing zum Kennenlernen an

Seit Yeffs Darbietung, die für großes Staunen und viel Applaus in Linz sorgte, ist Beatboxing ein Begriff für mich. Daher wurde ich auch auf LYMAs Beatboxing Workshop aufmerksam, der am 12.1.2020 am Loquaiplatz in 1060 Wien stattfindet.

Ich habe den Musiker und Beatboxer Christian Recklies, der den Workshop leitet, interviewt:

Beatboxing scheint großen Spaß zu machen. Welchen pädagogischen Wert hat diese Ausdrucksform noch? Wie hilft sie Kindern und Jugendlichen?

Ja, es macht unglaublich viel Spaß. Beatboxing ist eine Entdeckungsreise und trainiert so ganz nebenbei unsere Artikulation (dadurch auch unsere sprachliche Ausdrucksfähigkeit), unser rhythmisches Gefühl und Empfinden. Ich mache jetzt seit über 15 Jahren Workshops und das Angebot "Musik aus dem Mund - Human Beatbox“ ist das einzige, was immer funktioniert. Selbst in Schulen mit hoher sprachlicher Barriere. Klang und Rhythmik sind eben „beyond words“ (jenseits der Sprache und des Intellekts). Ich habe auch beobachtet, dass es dem Selbstwert und der kreativen Ausdrucksfähigkeit sehr gut tut.

Es gibt im Unterricht zwei verschiedene Zugänge, Beatboxing zu vermitteln: erstens über den Klang der Konsonanten, die Kombination von Konsonanten und zweitens über die Sprache. Deutsch eignet sich sehr dafür, weil es eine eher harte Sprache ist. Der Klassiker dafür ist die berühmte PizzaKatze, mit der Beatboxing ganz einfach geübt werden kann.

Hast Du Vorbilder in diesem Genre?

Mittlerweile gibt es eine Unmenge an genialen Beatboxern und Klangvarianten/Beatbox Techniken. Es hat sich in den letzten 10 Jahren über die Weltkugel verbreitet und viele Menschen infiziert. Es gibt eine Unmenge an Videos, Tutorials, Solo Künstlern mit und ohne Looping Station, Beatboxing Gruppen bzw. Vokalartisten mit Beatbox kombiniert. Mich persönlich sprechen musikalische und variantenreiche Beatboxer sehr an, z.B. Beardyman oder die Gruppe Berywam.

--> Anmeldung zum Workshop hier: https://www.lyma.at/workshops/workshop-human-beatboxing/

Wer sich weiter zum Thema Beatboxing informieren möchte: https://www.humanbeatbox.com/