Die Zukunft navigieren lernen




Zeit, Neugier und Spaß am gemeinsamen Entdecken, Spielen und Forschen. Das ist die beste Headline für die Teilnahme kleiner Forscher, Mini-Wissenschaftler und Coding-Talente am 5tägigen Ars Electronica Festival, das jedes Jahr Anfang September in Linz stattfindet. Ob 6 Jahre oder 66 Jahre alt, Enkel und Großeltern sind gleichermaßen von den Installationen der vielen KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und Technologie-ExpertInnen begeistert.

Copyright: Philipp Greindl

Viele Bereiche beim Ars Electronica Festival laden zum Forschen und Vertiefen ein. In der Future Zone der Post City wurden den kleinsten Besuchern Einblicke in die Welt der Technologie geboten. Eine Geburtstagseinladung aus Papier? Wer die Zukunft mitgestaltet, lötet die Einladungskarten selber. Da fliegen Drohnen durch die Luft und die Gedanken der Kinder steuern Roboterbeine.

 In jeder Ecke und an jeder Station der sieht man sie basteln, löten, designen und programmieren – und mit großen Augen staunen. Copyright: Philipp Greindl

Im Noise of Silence Dome durfte nicht gesprochen werden. Nur das Smartphone oder Tablet diente als Kommunikationsmittel. Die Botschaft lautete: „Es ist still, aber ist es auch ruhig?“ Im NOS Dome konnte dem eigenen digitalen Rauschen in der Stille eines Domes nachgespürt werden. 

Mit Ende des Festivals ist die Entdeckungsreise in die Zukunft für kleine Forscher nicht vorbei. Das Ars Electronica Center in Linz, das die Neugierde, Fantasie und Kreativität von kleinen und großen Besuchern fördern will, hat seine Tore ganzes Jahr geöffnet.

Da findet sich zum Beispiel eine Augmented Reality Sandbox im Kinderforschungslabor. Die „Augmented Reality Sandbox“ erweitert einen herkömmlichen Sandkasten um 3D-Visualisierungen und veranschaulicht so geowissenschaftliche Konzepte. Auf Sandhaufen und -gruben werden in Echtzeit topografische Höhenlinien projiziert und der Sandkasten damit zur Höhenfarbenkarte inklusive simulierter Wasserflächen.

Ein Sandkasten als Forschungsumgebung: Das Graben von Löchern und das Aufstapeln von Sandhaufen macht auch einfach nur Spaß. Copyright: Magdalena Sick-Leitner

Wer sich für die Zukunft begeistert, hat eine Vorstellung, wie sie aussehen sollte. Wer die Zukunft mitgestalten will, soll mitreden, welche Rolle Technologie spielen soll – und welche nicht. Das Lyma Team unterstützt dabei.

Kinder können bei LYMA erste Erfahrungen mit dem Programmieren ihres ersten, eigenen Computerspiels machen. Als Entwicklungsumgebung wird Scratch verwendet. Die Komplexität des Spiels kann an die Vorkenntnisse des Kindes angepasst werden. Wer mehr Spaß an Elektronik hat, kann dann statt Scratch einfaches Elektronik-Projekte mit dem Lötkolben umsetzen.

Kinder und Jugendliche, die schon mehr Erfahrung beim Programmieren haben, können bei Lyma lernen, wie man ein Spiel oder einen Roboter programmiert. Wir haben Sandra Graf, Kursbegleiterin der LYMA Robotik-Kurse, um einen tieferen Einblick in ihre Kurse gebeten.

Sandra Graf studiert Informatik an der TU Wien. Um Kindern und Jugendlichen IT näher zu bringen, arbeitet Sandra für das Institut zur Förderung des IT-Nachwuchses (IFIT). Bei LYMA begleitet sie die Kurse Scratch und LEGO Mindstorms EV3 für Familien, wo sie ihre Begeisterung für Robotik und Technik Kindern und Erwachsenen weitergibt.

Quelle & Copyright: tomshardware and Nick T

 In unserem Interview spricht sie über die Begeisterung und Herausforderung, die den Kindern in den Robotik-Kursen begegnet. 

SANDRA, WAS LERNEN DIE KINDER IN DEINEM KURS?

Scratch ist ein Programmierkurs, in dem die Kinder anfangs klassische Spiele wie Pacman oder Pong programmieren lernen. Im Laufe des Kurses gehe ich zunehmend auf die Wünsche der Kinder ein. Die Lernerfahrungen finden in jedem Kurs ganz individuell statt.

Die einen wollen nach dem Kurs ihre eigenen kleinen Animationsfilme programmieren, die anderen wollen Spiele selber entwickeln. Scratch hat den Vorteil, intuitiver als Lego Mindstorms zu sein, vor allem, wenn man schon lesen kann.

Lego Mindstorms ist eine Mischung aus klassischem Programmierkurs und Robotik-Kurs. Wir fangen zumeist mit dem Bauen eines einfachen Standardroboters an, an dem dann die grundlegenden Funktionsweisen der Lego Mindstorms vorgestellt werden.

Danach kommt die erste eigenständig zu lösende Aufgabe. Es gilt, einen Roboter entlang einer nicht-linearen Bahn bis ins Ziel fahren zu lassen. Was relativ einfach klingt, erfordert schon einiges an Verständnis. Ich gebe Tipps und erkläre die Aufgabenschritte. Ich freue mich schon immer vor dem Kursbeginn auf die Begeisterung der Kinder, wenn sie den Roboter das erste Mal auf den Boden stellen, um ihn zu testen.

WARUM IST DAS FÜR KINDER WICHTIG, COMPUTERSPRACHEN, WIE SCRATCH KENNENZULERNEN? WIE UNTERSTÜTZT MAN SIE IM SCHULALLTAG DAMIT?

Scratch und Lego Mindstorms verhelfen den Kindern zu einem leichten und intuitiven Einstieg ins ProgrammierenProgrammieren fördert, unabhängig von Programmiersprache, Erfahrungsschatz und Alter, das logische Denken – und das enorm. Wenn das Kind die Leidenschaft fürs Programmieren bis ins Erwachsenenalter behält, hat es einen einfacheren Einstieg in ein sehr lukratives und innovatives Berufsfeld.

Der heutige „Informatik“-Unterricht an Schulen beschränkt sich leider auf einen ECDL-Unterricht und bringt den meisten Kindern wenig für ihr späteres Leben. Ich persönlich würde mir wünschen, dass Schulen zumindest für ein paar Wochen externe ExpertInnen engagieren, um zeitaktuelles Informatik-Wissen anbieten können.

WELCHE VORKENNTNISSE BENÖTIGT MAN FÜR DEN LEGO MINDSTORMS KURS?

Gar keine. Natürlich ist es praktisch, wenn die Kinder schon einmal eine Maus in der Hand hatten und schon lesen können, aber eigentlich ist auch das nicht notwendig.

GIBT ES HIER PÄDAGOGISCHE Vorteile, DIE DEN KINDER DURCH DIE TEILNAHME AM KURS erwachsen?

Ja, der Umgang mit anderen; das Verständnis, dass immer mehrere Wege zum Ziel führen; der Umgang mit Frustration; die richtige Kommunikation von Problemen.

WELCHEN WERT HAT DAS ZUSAMMENARBEITEN VON ELTERN UND KINDERN IM KURS?

Die Kinder bekommen das Gefühl vermittelt, dass sich die Eltern für ihre Hobbys interessieren.

EMPFIEHLST DU, DAS PRODUKT ZUERST ZU KAUFEN UND DANN ZU DIR ZU KOMMEN ODER UMGEKEHRT?

Scratch ist gratis erhältlich, da würde ich die Eltern immer bitten, sich vor oder nach der ersten Stunde einen Account zu erstellen, damit die Kinder, wenn sie es wollen, auf ihr Projekt daheim zugreifen können. Ich erlebe immer wieder, dass besonders wissbegierige und interessierte Kinder gerne gewisse Funktionen auch ausserhalb des Kurses implementieren wollen.

Bei Lego Mindstorms spielt es keine Rolle, ob ich das Produkt zuhause habe. Kinder, die das Produkt schon besitzen, fordere ich durch leichte Adaptionen der Aufgaben heraus.

Vanessa Graf