Friedensflotte 2019 - Urlaub mit Lebenserfahrung




Jetzt bist du da

Ein Stück deiner Zukunft dabei
Es ist schon lange klar
Du fühlst dich frei
Wenn die Zukunft zur Gegenwart wird
Hast du's getan
Das Warten
War es wirklich dein Plan?
Es verschwindet die Zeit
Darauf du in ihr
Wolken schlagen Salti
Du bist nicht mehr bei dir
Die Zeit kehrt zurück
Und nimmt sich mehr von sich
In ihr bist du schneller
Denn mehr bewegt dich
Im Moment ist die Tat
Die du tust
Augenblick
Denn dein Auge erblickt
Was du tust und erschrickt
Vor dem Ding, das du kennst
Weil es immer da war
Die Musik ist aus
Und ist immer noch da
Hast du das gewollt
Hast du Angst zu begehren
Doch jetzt ist alles anders
Denn wir sind mittendrin
Es dreht sich nur um uns
Und es ist nichts wie bisher
Es macht uns zu Brüdern
Mit dem Tag am Meer

Du spürst das Gras
Hier und da bewegt sich was
Es macht dir Spaß
Nein, es ist nicht nur das
Denn nach dem Öffnen aller Türen
Steht am Ende der Trick des Endes
Der Suche durch das Finden im Augenblick
Du atmest ein, du atmest aus
Dieser Körper ist dein Haus
Und darin kennst du dich aus
Du lebst
Du bist am Leben
Und das wird dir bewusst
Ohne nachzudenken
Nur aufgrund der eigenen Lebenslust
Das Gefühl, das du fühlst
Sagt dir es ist soweit
Und es ändern sich Zustand
Der Raum und die Zeit
Der Verstand kehrt zurück
Doch du setzt ihn nicht ein
Jeder Schritt neues Land
Wird das immer so sein
Du spürst die Lebensenergie
Die durch dich durchfließt
Das Leben wie noch nie in Harmonie und genießt
Es gibt nichts zu verbessern
Nichts was noch besser wär'
Außer dir im Jetzt und Hier
Und dem Tag am Meer

Kam Ihnen der Text bekannt vor? Richtig, das ist der Songtext zu Tag am Meer‘ der Band Die Fantastischen Vier. Der Text passt zu unserem Reisebericht, als wäre er für die Friedensflotte geschrieben worden.

MIRNA MORE - EINE WOCHE AM MEER

Vom 14. bis 21. September 2019 haben rund 1000 Menschen an Europas größtem sozialpädagogischen Segelprojekt, der „Friedensflotte mirno more 2019“ teilgenommen. Auf mehr als 100 Schiffe stachen sie vor der kroatischen Küste in See. Es sind Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 21 Jahren aus Kinderheimen und Kinderdörfern, aus Sozialwohngemeinschaften, Therapieeinrichtungen sowie aus diversen Schulen, die gemeinsam segeln, spielen und Aufgaben lösen.

Die Kinder kommen aus bis zu 20 verschiedenen Ländern –von Afghanistan bis Rumänien, von Slowenien bis Deutschland. Sie werden für die Reise ausgesucht, weil sie körperliche und/oder intellektuelle Behinderung haben, in Betreuungseinrichtungen leben oder von solchen betreut werden und aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Milieus stammen. 

  

Du wirst die Welt niemals richtig genießen, bis nicht das Meer durch Deine Adern fließt, dich der Himmel zudeckt und die Sterne Dich krönen.“

(Thomas Traherne)

 

Segeln verbindet

Es gibt nur wenige Sportarten, die ein Freiheitsgefühl so intensiv vermitteln, wie der Segelsport. An Bord wird der Lebensalltag nicht von gesellschaftlichen Zwängen oder Erwartungen bestimmt. In der Weite des Meers rücken der Umgang mit Wind, Wellen und Bootsmaterial in den Vordergrund. Alle sonst gewohnten Ängste, Ärgernisse und unguten Gefühle verschwimmen zur Bedeutungslosigkeit.

Herausforderung für die jungen SeglerInnen

Wer ein Segelboot das erste Mal betritt, stellt sofort bis dahin ungewohnte Fragen. Kann das Boot umkippen? Ohne Küstensicht verliert man schnell die Orientierung, wie findet man dann den richtigen Weg? Was passiert, wenn das Wetter schlechter wird und viel Wind sowie hohe Wellen aufkommen? Auf dem Wasser hilft einem die an Land bislang gesammelte Erfahrung nicht weiter. Segeln ist eine neue Herausforderung. Die klimatische und topographische Vielseitigkeit der Erde stellt auch erfahrene Segler immer wieder vor neue Herausforderungen.

Mit der Herausforderung geht spiegelbildlich auch Verantwortung einher. Verantwortung beim Umgang mit dem Material. Verantwortung bei der Navigation. Aber auch soziale Verantwortung beim Umgang mit der Crew, die sich den kleinen Raum auch unter widrigen Umständen teilen muss.

TEAMGEIST und ZUVERLÄSSIGKEIT

Nur wenn alle Crewmitglieder ihre Aufgaben kennen und sich aufeinander verlassen können, verlaufen die Manöver reibungslos und lassen sich die komplexe Aufgabenstellungen optimal lösen. Ein gutes Team tauscht sein Know-how aus - Teammitglieder helfen einander. Segeln weckt Emotionen und fasziniert.

 

WIE ALLES BEGANN

Alles begann 1994, als man Kindern aus den kriegsgebeutelten Gebieten Ex-Jugoslawiens Erholung am Meer ermöglichen wollte. Damals waren sich erfahrene österreichische Skipper, die viel Herz und noch mehr soziales Gewissen zeigten, einig:  Auf einem Segelschiff muss die Crew zusammenhalten und die Naturgewalten spiegeln den Alltag wieder. Es gibt keinen besseren Ort, um Kindern Toleranz, Integration und ein friedliches Miteinander beizubringen. Diese kleine Idee – gestartet ist das Projekt mit 3 Schiffen und 17 Kindern - wurde zum größten maritimen Kinderfriedensprojekt der Welt.

Dabei lernen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem spielerisch Vorurteile abzubauen und Toleranz zu üben. Für diesen Beitrag zur Völkerverständigung erhielt die Friedensflotte mirno more 2010 die höchstmögliche internationale Anerkennung durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon.

WAS HEISST MIRNO MORE?

„mirno more“ ist der Gruß der Seefahrer Dalmatiens und heißt so viel wie „friedliches Meer“.

 

Erinnerungen fürs Leben schaffen

Bei gemeinsamen Aufenthalten in verschiedenen Marinas wird den Kindern und Jugendlichen ein pädagogisches Erlebnisprogramm geboten. Von unterschiedlichsten Spieleaktionen, wie Rätselralleys über Reflexionen rund um Frieden und Gemeinschaft bis hin zum großen gemeinsamen Fest, bei dem die Kinder und Teenager selbst das Programm gestalten können.

DIE WILLENDORFF YOUTH FOUNDATION IST SEIT 2019 MIT AN BOARD

Die Willendorff Youth Foundation Privatstiftung, die hinter LYMA steht, ermöglicht im Jahr 2019 insgesamt 30 Kinder und Jugendlichen aus fünf Wohngemeinschaften der Magistratsabteilung 11 die Teilnahme am Projekt „friedensflotte mirno more“ mit fünf Schiffen. 

Interview mit Christian Brockstedt, Gründer von LYMA, der 5 Schiffe der Friedensflotte unterstützte:

 

Warum unterstützt die Willendorff Stiftung die Friedensflotte?

„Weil wir Segeln für eine Aktivität halten, die für Kinder sehr förderlich ist“, sagt LYMA Gründer Kai-Christian (Krischan) Brockstedt. „Auf dem Schiff brauchst Du Vertrauen. Jeder muss mitmachen und sich auf den anderen verlassen können. Man muss Rücksicht nehmen, weil man auf engem Raum wohnt und das Schiff nicht einfach verlassen kann.“

Was besticht am Projekt Friedensflotte?

„Kinder unterschiedlicher Nationalität, Sprache und Herkunft haben eine Woche lang miteinander Spaß, spielen, segeln und tanzen miteinander. Auch wenn der eine oder andere vor Beginn der Reise anders rüberkommt, durch das Segeln treten Charaktereigenschaften hervor. Da übernimmt ein kleiner Junge freiwillig Verantwortung, von dem man es vorher gar nicht erwartet hätte.“

Welchen Wirkung hat die Reise für die Kinder?

"Es entstehen viele Freundschaften. Ich bin sicher, dass es langfristig gesehen die Erlebnisse und Werte sind, die man auf dieser Reise spielerisch erlebt. Es ist ein Urlaub mit Lebenserfahrung. Auch wenn‘s mal schwierig ist, auf dieser Reise wird Durchhaltevermögen gelebt.

Wir wollen die Friedensflotte 2020 in noch größerem Umfang unterstützen. Uns war es wichtig, dass möglichst viele Kinder aus Sozialwohngemeinschaften mitfahren, die auch an LYMA Kursen teilnehmen, weil wir sehen, dass der Impact der Kurse für die Entwicklung der Kinder gut ist."

 http://www.mirnomore.org/

LYMA GmbH ist eine 100% Tochtergesellschaft der gemeinnützigen Willendorff Youth Foundation Privatstiftung. LYMA wurde initiiert von Kai-Christian Brockstedt und Maria Polynceva-Brockstedt. Das LYMA Studio im Herzen Mariahilfs ist ein Freiraum, um Ideen zu verwirklichen. Im Mittelpunkt steht die Potentialentfaltung und das Erleben eines gemeinsamen Weges, um Eigeninitiative, Selbstwertgefühl, Sozialkompetenz und kreative Ausdrucksfähigkeit weiterzuentwickeln. Die Kurs-Begleiter sind Unterstützer in einem persönlichen Entwicklungsprozess und sorgen behutsam für Struktur, neue Impulse und Denkanstöße.

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