Neue Bildungskonzepte für Schulen




In 20 Jahren wird der direkte Kontakt zwischen Lehrern und Schülern kaum mehr nötig sein. Intelligente Lernprogramme bestimmen dann, was welcher Schüler in welchem Tempo lernen muss. Der klassische Unterricht im Klassenzimmer wird wohl auch 2040 nicht ganz verschwunden sein. Trotzdem gehen Zukunftsforscher, die das Bildungswesen beraten, davon aus, dass immer mehr Lerninhalte digital vermittelt werden – vom Kindergarten bis zur Universität. 

 

Chancen eröffnen für neue Bildungsmöglichkeiten statt zurück zur alten Schule

Kinder und Jugendliche wollen nach der ungewöhnlich langen Pause zuhause so schnell wie möglich wieder in die Schule. Aber wie steht es um die sozialen Erfahrungen und Bildungsmöglichkeiten in der ‚traditionellen‘ Schule? Warum nützen wir nicht die Krise – bzw. die epidemiologischen Beschränkungen und suchen nach alternativen Formen von persönlicher und fachlicher Bildung?

Welche Ressourcen benötigen Kinder, um aus dieser Krise nicht beschädigt, sondern gestärkt herauszugehen? Bildungsmöglichkeiten erfahren Schülerinnen und Schüler durch das Erleben von Gemeinschaft, durch das Teilen von Ängsten und Hoffnungen wie auch durch das kooperative Entdecken ihrer Umwelt und ihrer persönlichen Fähigkeiten und Stärken.

Leistungsdruck und Angst dürfen in den nächsten Monaten nicht den Unterricht und das Leben der Schülerinnen und Schüler bestimmen, nur um die herkömmlichen Übergange im Bildungssystem in herkömmlicher Form zu sichern. So lange es von Virologen als unverantwortlich betrachtet wird, dass Schulen wieder wie gewohnt geöffnet werden, könnte man über die Bildung von kontinuierlichen kleinen Lerngruppen (zivilgesellschaftlich organisierten Lernzirkeln) nachdenken, die in einem häuslichen Umfeld, möglicherweise auch digital unterstützt, zusammen lernen.

 

Lernen in Kleingruppen

Dort, wo die familiären Bedingungen dafür nicht gegeben sind, könnten diese Kleingruppen in Schulen organisiert werden. Kleingruppen mit maximal 5 Kindern/Jugendlichen böten soziales Lernen und Bildungsangebote in der Logik von Ferienschulen statt, die kulturelle Angebote unterbreiten und die auf diese Weise die psychosoziale Stabilität wiederherstellen.

Familien, die hierzu in der Lage sind, könnten zivilgesellschaftlich organisierte Lernzirkel bilden, um jene SchülerInnen und ihre Familien zu unterstützen, die dazu nicht in der Lage sind.

Was „brauchen“ Kinder und Jugendliche, um ihr Interesse und ihre Leidenschaft, z.B. für die Naturwissenschaften und Technik während ihrer Bildungslaufbahn zu bewahren und möglichst weiter auszubauen?

Wie sieht ein „Unterricht von morgen“ aus, der diese Begeisterung und die Entfaltung der Talente von Schülerinnen und Schülern in seinen Mittelpunkt stellt?

Welche Fächer sollen Kinder zur Allgemeinbildung lernen und wie werden sie motiviert?

Wie weit muss sich die „Schule von heute“ öffnen und welche Ressourcen sind nötig, um diese Ideen Realität werden zu lassen?

 

Was erwarten die SchülerInnen der Zukunft? Foto: Canva.com

 

Flexible Zukunftsgestalter statt Auswendiglernenden

Qualifizierten, kreativen Menschen stehen heute bisher kaum gekannte Chancen zur beruflichen Entwicklung und persönlichen Entfaltung offen. Kinder, die in frühen Jahren die Möglichkeit erhielten, sich zu entfalten, gelingt es leichter, bei den Problemlösungen zur Bewältigung der größten gesellschaftlichen Herausforderungen ihrer eigenen Zukunft mitzuwirken.

Die Beantwortung der brennendsten Fragen unserer Gesellschaft erfolgt somit aktiv durch die Betroffenen selbst. Neugierde, Motivation und aktives Gestalten ersetzen Zukunftsängste und Resignation und die Angst vor künftigen Pandemien.

  

Ideen für die Schule der Zukunft

Der aktuelle Stundenplan einer Volksschule oder weiterführenden Schule unterscheidet sich nicht wesentlich von dem vor 50 Jahren. Manche Fachhochschulen beweisen, dass sie mit unkonventionellen Methoden eine gute Basis für den Einstieg ins Berufsleben bieten. Wie wäre es, wenn der Unterricht schon für die Kleinsten anders wäre, mit praxisbezogenen Lernformaten, modularen Klassenräumen und einer individuell angepassten Förderung?

In einer hochautomatisierten Zukunft, in der Maschinen und künstliche Intelligenz viele Arbeiten übernehmen – welchen Wert schafft da noch der Mensch? Es ist unsere Fähigkeit, kreative und durch Vernetzung entstandene Ideen zu entwickeln, die den Unterschied machen werden. Zur Hauptaufgabe einer Schule der Zukunft wird es also, diese Talente zu fördern und den verantwortungsvollen Umgang mit Technologien zu lehren.

 

Zukunftstechnologien zur Verfügung stellen, um auf die Zukunft gut vorbereitet zu sein. Foto: Canva.com

 

Wie sähe so ein Unterricht aus, der zukunftsfitte Jugendliche hervorbringt?

Fächerlos - kein Stundenplan
Das Konzept der Lernfächer ist im Prinzip veraltet; von allen Seiten erschallen Rufe nach neuen Gegenständen oder nach der völligen Auflösung der "Fachlogik". Anstelle von Fächern würden Module und Projekte treten, die Wissen interdisziplinär vermitteln.

Ausgeschlafene SchülerInnen
Studien belegen, dass es für die meisten Kinder und Jugendlichen ungesund und eine Qual ist, um acht Uhr oder noch früher in der Klasse zu sitzen und konzentriert am Unterricht teilzunehmen. Manche Eltern befürworten den Start um 8 Uhr, damit sie ihre Arbeit zeitgerecht starten können. Andere wiederum starten erst um 9 oder 10 Uhr, je nach Branche – eine flexible Schulzeitenregelung würde vielen das Leben erleichtern.

Glücklich sein lernen
An einigen hundert Schulen in Österreich, Deutschland und den Niederlanden steht seit Jahren das Fach Glück oft als Wahlfach auf dem Stundenplan. Zur Glücksbildung gehören mentales Training, Bewegung oder auch das Lernen über das menschliche Wohlbefinden, wie z.B. durch gesunde Ernährung. Wissen, wie man das Positive in jeder Alltagssituation erkennt, Ziele visualisiert und achtsam mit sich umgeht, hilft bei der Prävention von Krankheiten und beim Stressabbau. Das sind die Bausteine für ein gesundes Leben legen.

Lebensnahe Bildung
Gelernt wird durch Erleben und Erfahren. Die digitalen Technologien sind ohnehin längst Alltag für Kinder. Die Lehrkraft ist nicht nur Experte oder Expertin in einem Fach, er oder sie leitet die Schülerinnen und Schüler auch beim Sammeln und Interpretieren der Informationen an.

Im Modul "Ernährung" etwa lernen Schüler alles über chemische Prozesse, Klimaschutz und Gesundheit, sie besuchen Biobauern, pflanzen Biogemüse im Garten der Schule an und werden motiviert, über neue Technologien zum ressourcenschonenden Lebensmittelanbau oder Bewässerungsmethoden nachzudenken.

Luftige Umgebung
Die Architektur wird sich der neuen Art des Lernens anpassen. Die Schulgebäude sehen dann nicht mehr aus wie Ämter: Flexible Räume, die nach Bedarf umgebaut und gestaltet werden, lösen kleine Klassenräume ab. Einen großen Teil der Schulzeit verbringen die Kinder in der Natur oder in naturprojiziertem Umfeld. Innovative Technologien werden ermöglichen, einen Waldspaziergang mit CO2 reduzierter Atemluft, dafür Wald- und Wiesenduft und einer VR-Umgebung herzustellen, die dem Gehirn suggeriert, eine 30minütige Pause würde im Wald bei einem Spaziergang stattfinden.

Notenlos gebildet
Schülerinnen und Schüler werden in kleineren Gruppen lernen, die stärker nach Interessen als nach Altersstufen eingeteilt sind. Weil die Gruppen übersichtlich groß sind, kann die Lehrerin oder der Lehrer den Lernfortschritt genauer und individuell beobachten und gezielter Feedback geben. Noten im herkömmlichen Sinn sind nicht mehr notwendig.

Gerechte 'Bewertung'
Stufenlose Schulen und die Abschaffung der unterschiedlichen Schultypen werden für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sorgen. Die soziale Durchmischung in Schulen wird gezielt gefördert. Die Interessen der Schülerinnen und Schüler und individuelle Förderung bestimmen den Bildungserfolg – und nicht, wie derzeit, der soziale Status und der Bildungsgrad der Eltern.

 

Die Vision: Die Schule als Wohlfühlort

Die Schule der Zukunft ist ein Ort, an dem sich Schülerinnen und Schüler wohl fühlen, und der gleichzeitig ihr Lernen unterstützt. Es gibt keinen fixen Stundenplan mehr, sondern man arbeitet an Themen und Fragestellungen, einen Tag, eine Woche, oder auch länger. Die Themen werden nicht nur von einem Fach bearbeitet, sondern aus allen Perspektiven, die dafür wichtig sind. Die Schule der Zukunft bezieht gezielt andere Lernorte sowie die mit ihnen verbundenen positiven Aspekte in den Unterricht ein. Sie hat eine Fehlerkultur etabliert, die Fehler zu Lernchancen macht.

Sie sieht die Förderung von Bildungsmotivation und des Interesses an Neuem als zentrale Ziele. Sie vermittelt daher auch die Kompetenzen, die notwendig sind, Bildungs- und Lernmotivation erfolgreich über die ganze Lebensspanne zu realisieren.

Der Schule der Zukunft gelingt es die Chancen, die sich durch die Vielfalt der Lernenden ergeben, zu nutzen und jeden Schüler/ jede Schülerin gemäß seiner/ ihrer Möglichkeiten angemessen zu fördern. Sie sieht jegliche Kompetenzen als Ressource und Potential an und nicht nur wenige ausgewählte. Alle arbeiten und lernen gerne und freuen sich über eigene Erfolge aber auch über Erfolge von Mitschülerinnen und Mitschüler. Es ist „cool" sich anzustrengen und etwas zu schaffen.

 

Keine Auflösung von Fächern, die Grundkompetenzen lehren

Es geht also nicht darum, eine völlige Auflösung von Fächern zu propagieren. Wir bräuchten dazu Menschen mit einer breiten Bildung (nebst Ausbildung), die Zusammenhänge erkennen, lateral denken können und dementsprechend darstellen können. Das bedarf eine Anpassung der pädagogischen Bildung, damit Lehrerinnen und Lehrer nicht nur in der Lage sind, diese Ideen anzunehmen, sondern auch motiviert sind, sie umzusetzen. 

Schulbildung soll neben dem unverzichtbaren Erwerb der Grundkompetenzen Menschen befähigen, die eigenen Potenziale auszuschöpfen, und zu einem mündigen, aktiven Teil unserer Gesellschaft zu machen. Gleichzeitig müssen wir für sich immer schneller wandelnde Berufsbilder rasch die richtigen Bildungswege und Lehrberufe anbieten, die auch wandelbar sind.  

 

Gestalten Sie mit!

Wenn Sie BildungsgestalterIn sind, nehmen Sie doch an der Ausschreibung der Sinnbildungsstiftung teil! TeilnehmerInnen können ihre Projektideen bis 31. Mai 2020 einreichen.

Auf der Bildünger Website finden Sie alle Infos zum Ablauf der Challenge, den Herausforderungen in den zwei Themenfeldern sowie Infos zu den angebotenen Q&A Webinaren zur Ausschreibung.

Linkz zur Einreichung https://www.bilduenger.at/ - hier Beispiele bisheriger Projekte:

https://www.sinnbildungsstiftung.at/projekte

 

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LYMA GmbH ist eine 100% Tochtergesellschaft der gemeinnützigen Willendorff Youth Foundation Privatstiftung. LYMA wurde initiiert von Kai-Christian Brockstedt und Maria Polynceva-Brockstedt. Das LYMA Studio im Herzen Mariahilfs ist ein Freiraum, um Ideen zu verwirklichen. Im Mittelpunkt steht die Potentialentfaltung und das Erleben eines gemeinsamen Weges, um Eigeninitiative, Selbstwertgefühl, Sozialkompetenz und kreative Ausdrucksfähigkeit weiterzuentwickeln. Die LYMA Kurs-Begleiter sind Unterstützer in einem persönlichen Entwicklungsprozess und sorgen behutsam für Struktur, neue Impulse und Denkanstöße.