Mit Humor durch die Krise




In diesen Tagen ist Humor besonders wichtig. Als Form der Kritik an politischen Entscheidungen oder als Ablenkung von der Corona Berichterstattung, die in Dauerschleife über unsere Bildschirme läuft. Die Coronakrise ist auch eine Herausforderung für die Psyche. Neben Struktur und Notfallplänen hilft vor allem eins: Lachen.  

 

Der Humor leistet eine Art von Distanz. Sobald ich über etwas lachen kann, werden Emotionen wie Angst oder Verzweiflung abgelöst von einer Endorphin-Ausschüttung.

 

Mit dem Schaffen von Distanz durch Humor beschäftigt sich auch die Wissenschaft. Viktor Frankl, der Urvater des Humors in der Psychotherapie sagt ‚Humor ist eine menschliche Fähigkeit und die einzige Waffe im Kampf um die Selbsterhaltung der Seele.‘

Frankl gelang es damit selber, eigene Schicksalsschläge zu meistern.

 

Humor ist eine Bewältigungsstrategie

Wenn eine Situation bedrohlich ist, dann schafft der Humor eine Distanz zur Realität. Damit kommt man zumindest kurz in eine andere Stimmung. Humor ist also eine Bewältigungsstrategie. Frankl hat beschrieben, wie überlebenswichtig Humor sein kann. Für den Humor ist das Gemüt zuständig, der Witz geht eher vom Verstand aus. Der Witz ist ein Ventil, der kurzfristig die Stimmung hebt. Beides, Humor und Witz können Lachen auslösen. Lachen ist gesund – beim Lachen passiert viel – es kräftigt das Herz, bestärkt die Lunge, die Atemzüge sind tief und kräftig, es regt das Herz-Kreislauf System an und stärkt – so sagen einige Studien - das Immunsystem.

Babysitter mit Humorpotential sind willkommene Gäste im Heim Office - Foto: Daniela Krautsack

 

Sind Witze über Corona akzeptabel?

Momentan amüsiert man sich vor allem über die subjektive Befindlichkeit und die hysterischen Handlungen der Gesellschaft - etwa beim notorischen Hamsterkauf von Toilettenpapier. Was bleibt uns übrig, gute Miene zum bösen Spiel zu machen?

 

Die Perspektive

Humor ermöglicht Abstand. Der Humor, wie auch die Kunst übrigens, ermöglicht ungewohnte Sichtweisen auf ein Thema. In einem Witz zum Beispiel reflektiert man ein Thema oder einen Gegenstand auf eine neue, überraschende Art und Weise.

 

Humors ist gerade in Krisenzeiten von großer Bedeutung. Denn das sind ja Zeiten, die von starker Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und Unwissenheit geprägt sind. In diesen Zeiten können wir uns nicht darauf verlassen, dass Politik, Wirtschaft oder Gesundheitssystem uns sichere Perspektiven oder Lösungen anbieten. Insofern gehört Humor mit seiner Möglichkeit, neue, kreative Perspektiven zu erzeugen, zum Werkzeugkasten der Gesellschaft, um mit Krisen zurechtzukommen.

 

Welche humorvollen Aktivitäten helfen?

Wie kann man sich angesichts der Lage zumindest ab und zu aufheitern? Dem einen tut es gut, seichte Talk Shows zu schauen, die hohen Entertainmentwert haben. Ich mag Graham Norton’s Show in den UK, die mich immer zum Lachen bringt. Und als Dauerbrenner für gute Stimmung, auch wenn der ‚Blues‘ gerade tiefdunkelblau ist, empfehle ich die US-Serie ‚Friends‘. Oder Lachyoga. Morgen veranstaltet Veronika Simor eine Session Lachyoga auf Zoom. 10 Minuten, die aktivieren sollen, die meinen Tag mit guter Laune starten lassen. Stay tuned.

Kleines Mädchen, vielleicht beim Lachyoga. Quelle. Canva.com 

Ratsam sei auch, bei Telefonaten mit Familienmitgliedern und Freunden nicht nur das Coronavirus zu thematisieren. Man sollte sich auch über Banalitäten austauschen, über lustige Ereignisse, die es gegeben hat, denn jeder Tag bringt auch witzige Situationen mit sich.

 

Was die Fernseh-Konsumation angeht, sei empfohlen, nicht durchgehend an den Nachrichten zu kleben, um in die Todesstatistik jedes Landes einzutauchen. Information in Sachen Corona sei wichtig, aber nicht non-stop. Es gilt Bedrückendes zu meiden – statt Psychothrillern und Krimis sollten Komödien, Liebesfilme und Kabarett auf dem Programm stehen. 

 

Darf man in der Coronakrise Witze machen?

Ja. Wir brauchen Humor in dieser Zeit, sonst fällt uns die Decke auf den Kopf. Gerade in Zeiten von Krisen blüht der Humor. Das war schon immer so. In der Zwischenkriegszeit entstanden in Wien zahlreiche Kleinkunstbühnen und Kabaretts.

 Michael Niavarawni sagte vor kurzem in einem Interview: "Mein Lieblingswitz der Krise ist dieser: „Wenn das alles vorbei ist, dann gönne ich mir einige ruhige Tage zuhause.“

 

Der ,Beipackzettel‘ der wünschenswerten Wirkungen und Nebenwirkungen von Humor sollte dazu anregen, dass auch Erwachsene wieder mehr lachen lernen. Kinder lachen zwischen 200- und 450-mal am Tag, Erwachsene nur etwa zehn- bis 15 Mal.

 

Via Twitter, Facebook und Instagram werden CoronaMemes – das sind Bilder mit einem Kommentar – verbreitet. Oft ist die mexikanische Biersorte Corona ein Motiv. Zu sehen ist etwa auch ein Mann in einem Winteroutfit – nicht an einer Stange in der U-Bahn hält er sich fest, sondern an jener in seiner Dusche. Der beigefügte Text: „When you miss your daily life.“

 

Corona Memes Verbreitung auf Hochtouren. Quelle: Pinterest

 

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LYMA GmbH ist eine 100% Tochtergesellschaft der gemeinnützigen Willendorff Youth Foundation Privatstiftung. LYMA wurde initiiert von Kai-Christian Brockstedt und Maria Polynceva-Brockstedt. Das LYMA Studio im Herzen Mariahilfs ist ein Freiraum, um Ideen zu verwirklichen. Im Mittelpunkt steht die Potentialentfaltung und das Erleben eines gemeinsamen Weges, um Eigeninitiative, Selbstwertgefühl, Sozialkompetenz und kreative Ausdrucksfähigkeit weiterzuentwickeln. Die LYMA Kurs-Begleiter sind Unterstützer in einem persönlichen Entwicklungsprozess und sorgen behutsam für Struktur, neue Impulse und Denkanstöße.