Wie wichtig ist Bewegung für Kinder?




Die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern ist eng mit Bewegung verknüpft. Bewegung ist vom Beginn des Lebens an da und regt das Gehirn zur Entwicklung an. 

Mein fast 6jähriger Sohn braucht viel Bewegung. Wenn es draußen stürmt oder stark regnet und weder die Vorschulgruppe noch ich motiviert sind, am Spielplatz herumzutollen, wird er ganz unruhig und hibbelig. Wir sind so oft wie möglich im Park, beim Sport und an Orten, die Bewegung möglich machen. Mein Sohn ist ein guter Kletterer, Läufer, Balancierer – kurz, er ist ein Bewegungstalent. Er steigt sicher von Stein zu Stein, konzentriert sich, und oft beiße ich mir auf die Zunge, bevor ich ihn mit nervösen Warnungen am Herumturnen hindern könnte.  

Das, was für mich als Kind zum Alltag gehörte – im Wald über Baumwurzeln springen, über Äcker rasen, mit Freunden alleine Radfahren gehen –, ist mittlerweile nicht nur für Stadtkinder selten geworden. Neben sich ausbreitenden Betonflächen weitet sich die Angst der Eltern aus, dass sich die Kinder verletzen könnten oder schlimmer noch, misshandelt oder entführt werden.

 

Warum fehlt der Bewegungsraum?

Noch dazu fällt die Straße aufgrund des stark angewachsenen Verkehrs als Spielraum größtenteils weg, zudem fehlen durch den Geburtenrückgang Spielgefährten in der Nachbarschaft. Gleichzeitig nimmt die Nutzung bewegungsarmer Beschäftigungen wie Medienkonsum und Computerspiele zu. Es verwundert nicht, dass viele Kinder über schlechte motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten und zunehmende Fehlsichtigkeit verfügen.

Zunehmender Medienkonsum nimmt Kindern die Zeit für Bewegung - Foto: Canva.com

Andere Bewegungsräume wie Parks können viele Kinder in Großstädten nicht gefahrlos selber erreichen und daher nicht spontan nutzen. Alltägliche und niederschwellige Bewegungsangebote reduzieren sich auf den Spielplatz um die Ecke.

Wie sich ein Kind sicher bewegen soll, kann es nur durch Bewegung lernen. Über ängstliche Eltern sagen KinderexpertInnen, dass diese die Kinder daran hindern würden, sich frei zu bewegen. Dabei brauchen die Kids das Erleben von Unabhängigkeit, um Zutrauen zu sich und zum Leben zu bekommen.

Die körperliche und geistige Entwicklung der Kleinen sind eng mit Bewegung verknüpft. Im Kleinkindalter schafft Bewegung die sensomotorische Basis. Kinder, die sich viel bewegen dürfen, haben auch in der Schule einen besseren Start. Der Körper erinnert sich ein Leben lang daran, was er an Bewegung erfahren hat. Klettern, Springen, Hüpfen, Rollen, Toben und Laufen. Das betrifft Aktivitäten, denen Kinder drinnen (Kursempfehlung hier) wie auch draußen nachgehen können.

 

Verspieltes ‚Herumgurken‘

Bewegung kann und soll überall stattfinden, ob in der Wohnung, im Park oder im Studio um die Ecke. Mein Sohn nennt das wilde Herumtollen, das er täglich einfordert, schmunzelnd ‚Herumgurken‘. Er wirft sich auf mich, es gibt eine Kissenschlacht oder Kitzelattacke. 15 Minuten in der Früh sind dabei fix im Tagesablauf eingeplant. 

Was körperliche Bewegung noch tut, ist der Fettleibigkeit bei Kindern entgegenzuwirken. Das Tüpfelchen auf dem i sind sozialer Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl, das beides gerade im Teamsport geübt wird.

Die Möglichkeiten für eine aktive Lebensgestaltung mit viel Bewegung sind vor allem dort nötig, wo viele Menschen leben und arbeiten, d.i. im Wohnviertel ebenso wie in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.

 

Folgen von Bewegungsmangel

Kinder sollten sich mindestens eine Stunde pro Tag bewegen. Ein Drittel der Grundschüler weist laut einer deutschen Studie Koordinationsschwächen, 70 Prozent Haltungsschwächen und 20 Prozent eine schwache Ausdauer auf. 20 Prozent der Kinder sind übergewichtig. 50 Prozent der Grundschüler bedürfen gezielter motorischer Förderung. 

Kinder, die nur zuhause abhängen, werden träge und dick - Foto: Canva.com

Eine schlechte motorische Verfassung ist bei Kindern mit vielen Problemen verknüpft. Schwache Gesundheit, mehr Unfälle, mehr Hyperaktivität sind nur einige der Folgen.  

Leider enthalten die typischen Tagesabläufe vieler Schuleinrichtungen nur wenige angeleitete Bewegungsangebote, wie zum Beispiel Turnstunden: Deren übliche Dauer beträgt nur ca. drei Stunden pro Woche - auch wenn eine Stunde pro Tag in der Schule gesetzlich verordnet wurde.

Eine Änderung der Tagesabläufe scheitert zum Teil an der nur geringen Ausbildung der Erzieherinnen im Bewegungsbereich, und – laut befreundetem Lehrer – motivieren gerade ältere Kolleginnen die Kinder weniger (weil sie selber nicht gerne Mitturnen) als jüngere Kollegen und Kolleginnen.

Motorisch schwächeren und auch übergewichtigen Kindern fehlt es an grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie geraten bei Gruppenspielen oder beim Bespielen von Geräten leicht ins Hintertreffen und ziehen sich daher in solchen Situationen oft auf bewegungsarme und wenig konfliktträchtige Spielsituationen zurück. Oft machen sie beim Sportunterricht gar nicht mit und melden sich krank.

 

Kinder je nach Fähigkeiten fördern

Bewegungsspiele fördern intellektuelle, sprachliche, soziale, emotionale und sensomotorische Fähigkeiten und sind für Kinder motivierend. Motorisch stärkere Kinder bringen häufig Bewegungserfahrungen bereits aus dem privaten Umfeld (Sportverein, Spiel in der Freizeit) mit. Aufgrund des starken Unterschieds zu den schwächeren Gleichaltrigen überschätzen sie ihre Fähigkeiten und unterschätzen gleichzeitig das Risiko von Situationen. Sie haben das starke Bedürfnis, ihre Grenzen auszutesten.

Für diese Kinder sollten daher Bewegungsangebote zur Verfügung stehen, in denen sie an ihre motorischen Grenzen gehen können, ohne dass aber das Risiko ernsthafter Verletzungen besteht. Dazu gehören zum Beispiel Kletternetze oder Kletterwände.

Wenn Kinder nach draußen gehen, erhalten sie eine Vielzahl an stimulierenden Eindrücken: Klettern sie auf einen Baum, müssen sie greifen, sich hochziehen, die Bewegungsabläufe planen und fühlen die Rinde. Spielen sie mit anderen, kommt noch soziales Lernen hinzu, das Emotionale und Zwischenmenschliche. Und ihr Selbstbewusstsein wird auch gestärkt.

 

Bewegung draussen hat viele Vorteile - Foto: Canva.com

Was können Eltern tun, damit ihre Kinder aktiver werden?

Sie können viel dafür tun. Eltern sollten bewusst möglichst viele Aktivitäten im Alltag unterbringen: Welche Strecke muss wirklich mit Auto, U-Bahn oder Bus gefahren werden? Kann das Kind den Schulweg zu Fuß, mit dem Roller oder Rad zurücklegen? Den Weg zu Fuß zurückzulegen verbessert die Aufnahmefähigkeit im Unterricht.

Den Kindern vermitteln, dass es nicht schadet, mit der richtigen Kleidung auch bei Regen ohne Auto zum Unterricht zu kommen. Diese Einstellung vermittelt eine bewusste Wertschätzung der Bewegung und den Kindern Selbstvertrauen, weil sie ihren Schulweg selbständig bewältigen.

Jeder Schritt auf dem Weg zur Schule fördert die Konzentrationsfähigkeit - Foto: Canva.com

 

Eltern sind motivationsmotoren

Das Bewegungsverhalten der Eltern prägt Kinder. Eltern müssen für ein bewegungsfreundliches Umfeld sorgen. Eltern sollten in puncto Bewegung als Vorbilder fungieren. Österreich ist das schönste Land, um mit Kindern zu wandern, Rad zu fahren, spazieren zu gehen, Ski zu fahren. Das sind Aktivitäten, die das Gehirn jedes Famili­en­mitgliedes fit halten und auch den Zusammenhalt stärken. Wenn es die Kinder als schön empfinden, werden sie es immer wieder gerne tun.

Gemeinsames Schifahren im Kreis der Familie motiviert Kinder - Foto: Canva.com

 

Was bringen wöchentliche Angebote wie Kinderturnen oder der Sportverein?

Sie fördern das soziale Miteinander und bewirken eine positive Einstellung zur Bewegung: Sie sind somit eine gute Grundlage, um Aktivitäten weiterzuentwickeln. Wer den Nachwuchs erst im Jugendalter motivieren will, ist zu spät dran. Was Hänschen nicht lernt, fällt Hans doch sehr schwer. Die Freude an der Bewegung muss früher geweckt werden. Einen Beitrag dazu kann das Kinderturnen leisten, hier wird mit Koordinationstraining die Basis für jede Sportart gelegt.

 

Purzelbaum, Ball fangen und Schnurspringen

Allerdings sei zu beobachten, dass die Bewegungsfähigkeit im Abnehmen ist. Einen Purzelbaum zu machen ist für viele Volksschulkinder schon eine große Aufgabe, auch Schnurspringen ist nicht mehr selbstverständlich. Manche können nicht einmal ihre Arme so koordinieren, dass sie einen Ball fangen könnten. Kinder sollten klettern, balancieren und springen dürfen, sich über eine Böschung rollen oder so lange um die eigene Achse drehen, bis sie vor Schwindel umfallen.

Hier einige Empfehlungen für Orte, an denen sich Kinder in Wien bewegen können:

https://www.mamilade.at/noe/wiener-neustadt/ausflugstipps/natur-abenteuer/naturpark-hohe-wand

https://www.mamilade.at/wien/wien-19/natur-abenteuer/waldseilpark-kahlenberg

https://www.mamilade.at/ausflugstipps/bewegung-sport/motorikpark-wien-10

https://www.mamilade.at/wien/wien-22/ausflugstipps/spielplaetze/motorikpark-wien

https://www.mamilade.at/wien/wien-2/ausflugstipps/natur-abenteuer/naherholungsgebiet-wiener-augarten

https://www.mamilade.at/wie/dobling/ausflugstipps/bewegung-sport/outdoorkinder

https://www.mamilade.at/wien/wien-22/ausflugstipps/natur-abenteuer/der-kletterpark-auf-der-wiener-donauinsel

https://www.mamilade.at/wien/wien-10/ausflugstipps/natur-abenteuer/erholungsgebiet-wienerberg

https://www.ubw.at/

https://www.mamilade.at/wien/wien-14/ausflugstipps/spielplaetze/erholungsgebiet-dehnepark

https://www.mamilade.at/wien/wien-22/ausflugstipps/natur-abenteuer/naturerlebnispfad-hirschstetten

https://www.mamilade.at/wien/wien-2/ausflugstipps/natur-abenteuer/fahrradausfluge-fur-kinder-wien

https://www.mamilade.at/wien/wien-22/ausflugstipps/natur-abenteuer/alte-donau-freizeitparadies-wien

https://www.mamilade.at/wien/wien-17/ausflugstipps/natur-abenteuer/schwarzenbergpark-neuwaldegg

https://www.mamilade.at/wien/wien-18/ausflugstipps/natur-abenteuer/der-wiener-turkenschanzpark

https://www.mamilade.at/wien/wien-11/ausflugstipps/natur-abenteuer/baggerpark-wien

 -- Hier die Empfehlung für Bewegungskurse bei LYMA: https://www.lyma.at/kinder/bewegung-koerperbewusstsein/

-- Ferienwochen bei LYMA: https://www.lyma.at/kinder/ferienwoche/


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